Cymon und Iphigenia
circa 1780
In dieser traumhaften, kreisförmigen Szene stolpert ein grob aussehender Hirte über eine atemberaubend schöne Frau, die im Wald schläft und sich seiner Anwesenheit völlig unbewusst ist. Dies ist der Moment, in dem Cymon Iphigenia zum ersten Mal sieht, eine Begegnung von solcher Wucht, dass sie ihn augenblicklich von einem tumben Rohling in einen kultivierten, liebeskranken Gentleman verwandelt. Angelica Kauffmann, eines der wenigen weiblichen Gründungsmitglieder der Londoner Royal Academy, fängt die exakte Sekunde ein, in der die Liebe wie ein Blitz einschlägt. Die weichen, warmen Farben und die klassischen Posen sind schulbuchmäßiger Neoklassizismus und beweisen, dass Künstler bereits in den 1780er Jahren wussten, wie man den ultimativen Moment der „Liebe auf den ersten Blick" malt.