Der Kardinal
1863
Ferdinand Heilbuth fängt in dieser Szene aus dem Jahr 1863 einen stillen Moment der Hierarchie und Demut ein. Ein junger Chorknabe in lila Gewändern küsst nervös den Ring eines hochgewachsenen Kardinals, der in leuchtend rote Roben gehüllt ist, während seine Altersgenossen mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Langeweile zusehen. Rechts lehnen zwei dandyhafte Figuren in grünen Mänteln an der Balustrade, scheinbar mehr an Klatsch interessiert als an der religiösen Zeremonie. Heilbuth, ein deutscher Maler, der einen Großteil seines Lebens in Paris verbrachte, war berühmt für diese eleganten Alltagsszenen, die oft gesellschaftliche Konventionen und den Klerus auf sanfte Weise aufs Korn nahmen.