Transparenz
circa 1928-1929
Francis Picabia war der ultimative Gestaltwandler der Kunstwelt, der ständig einen Stil zugunsten eines anderen aufgab, nur um die Kritiker auf Trab zu halten. Diese Skizze, Teil seiner mysteriösen Serie „Transparences" aus den späten 1920er Jahren, wirkt wie ein auf Papier gebannter visueller Tagtraum. Ein klassisches weibliches Profil dient als geisterhafter Behälter für ein Durcheinander von Erinnerungen: eine große Kuppel, die an den Petersdom erinnert, eine drapierte religiöse Figur und eine geflügelte Statue auf einer Säule überlagern sich in einer traumhaften Doppelbelichtung. Es fühlt sich an, als würde man durch einen Stapel Reise-Postkarten blättern, bei denen die Bilder ineinander übergehen, und erfasst, wie unser Geist vergangene Erfahrungen über die Gegenwart legt.